Ein Gedicht von Klösterle - Kaaden-Duppau

Heimatkreis Kaaden- Duppau
Sudetendeutscher
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Unser altes Klösterle 1970

( 1. Wiedersehen nach 25 Jahren Vertreibung )



Du bist die Heimat uns gewesen,
aus der man uns brutal vertrieben,
du wirst von uns wohl nie vergessen
weil wir dich unendlich lieben.
Bei uns gab’s keine Kathedral`,
keine Festungsmauer, keinen Dom,
kein Kolosseum, kein Monumental,
das Touristen anzieht wie in Rom.

Hierher hat’s nie die Mächtigen gezogen,
bei uns gab’s keine Attraktion,
kein Standbild, kein Triumphbogen,
Von uns aus tat man nie regieren,
ja nicht einmal `nen großen Sohn.
Bei uns da gab es keinen Prater,
eine Oper war auch nicht im Ort.

Der „Quark – Franz“ mit seinem Theater
gastierte dafür öfters dort.
Die große Welt, von der man träumte,
ersetzte uns das Kino „John“.
Es war damals anders als wie heute,
bescheidener waren wir schon.
wir hätten das auch nicht gewollt.
Wir mussten immer nur parieren,
was hätten wir denn sonst gesollt?

Studieren konnte man bei uns nicht,
weil es da keine „Uni“ gab.
Die Volksschule allein war Pflicht,
zum Studium war auch oft das Geld zu knapp.
Wir hatten nichts, so könnt man meinen,
der Ort war halt nicht weltbekannt.
Ein Irrtum ist`s, so will mir `s scheinen,
hier hatten wir das Heimatland.

Wir hatten ringsum unsre Berg,
den Tümmelstein mit seine Zwerg,
die Schönburg und den Hassensstein
das gab `s doch nur bei uns daheim.
Wir hatten auch den Sauerbrunn
um unsern Durst zu stillen.
Jeder von uns ließ sich darum
auch dort die Flaschen füllen.

Ein Park gehörte auch dazu,
der einlud zum spazieren,
hier sprach man oft das erste „DU“
und ließ sich gern verführen.
Bei uns da gab’s kein Hofbräuhaus
und das war das Tolle;
in jedem kleinen Gastwirtshaus
da traf man auch auf „Volle“.

Beim „Heinzmann“ war stets etwas los,
die Kegelbahn dort war beliebt.
Da hat sich so mancher Boss
etwas dazu verdient,
hat für ein kleines Taschengeld
da die Kegel aufgestellt.
Eine „Reeperbahn“ gab’s bei uns nicht,
wir hatten bessre Frauen,
die wussten noch was ihre Pflicht,
man konnte auf sie bauen.

Sie waren tugendhaft und züchtig,
auf sie doch stets Verlass auch war.
Als Hausfrauen da warn sie tüchtig,
als Mütter warn sie unschlagbar.
Da war kein Strom wo Schiffe fahr`n,
mit Kapitän und Steuermann.
Zur Überfahrt reichte ein Kahn,
der fuhr Roschwitz und auch Kettwa an.

Bei uns gab es die „Eger“ bloß,
doch die ist auch ganz prächtig,
sie ist nicht so riesengroß
und auch nicht so mächtig,
wie es zum Beispiel ist der Rhein.
Trotzdem war es schöner dort,
sie fließt durch unsren Heimatort,
hier waren wir daheim!

Wir hatten auch kein Stadion,
trotzdem trieben wir Sport.
Der Sportplatz dort, der war da schon
Für uns der rechte Ort.
Die Turnfeste hier warn bekannt
Überall im „Kaadner Land“.
Die Stimmung war da immer groß,
da war immer etwas los.

Für uns war dies, das sag ich jetzt,

wie die „Wies`n“  beim Oktoberfest.
Die Stadtkirch`, ohne Turm dabei,
sie war ja auch kein Dom,
die war in unsrer Pfarrei
und stand auch nicht in Rom.
Keiner wird sie je vergessen
Der in dem Ort gewohnt eins hat.
Wie oft waren wir da gewesen,
im Gotteshaus von unsrer Stadt!

Getauft wurde dort jedermann
der in dem Ort zur Welt je kam.
Ging man den Bund der Ehe ein,
musst es in dieser Kirche sein.
Was „Lourdes“ in Frankreich machte groß,
das war für uns „Maria Trost“.
Die Kirche, die am Friedhof steht,
lud manchen ein zum Bittgebet.

Als Wallfahrtkirch` war sie bekannt
überall bei uns im „Kaadner Land“.
In der Kirch` das Gnadenbild
Hat manchen Kummer schon gestillt
und heute noch, lass ich den Glauben
an ihre Hilfe mir nicht rauben.
Auch das was heut hier nicht beschrieben,
macht diesen Ort so liebenswert,
er ist, das sag ich ganz entschieden
auch auf dem schönsten Fleck der Erd.

Sehe ich auf den Ort hinunter,
hoch vom Berg hinab ins Land,
dann denk ich manchmal wie ein Wunder,
als läg`s im Herrgott seiner Hand.
Es duckt und streckt sich lang dahin,
als hätt` es Angst um sein Besteh`n,
als wollte es von hier entflieh`n,
als wollt es ihn um Schutz anfleh`n,
als wollt es sagen: „Da, schau her,
die mich einst liebten sind hier nicht mehr.

Die Menschen, die mich einst gepflegt
hat die Gewalt hinweggefegt.
Man schlug mir seitdem tiefe Wunden,
hat mich gequält, hat mich geschunden.
Die Wälder, früher grün, voll Saft,
wurden durch Gift hinweggerafft.
Beeren und Pilze gibt’s nicht mehr so viel,

die es noch gibt hat „Tscernobyl“
auch noch verseucht mit dem Uran,
das man aus meiner Erde nahm.

Viele Häuser sind jetzt leer,
ganze Orte gibt `s nicht mehr,
wie soll ich da den Menschen nützen,
wenn die nicht da sind die mich schützen?

Sollte ich mich da der Tränen,
die mir ins Aug gestiegen sind,
sollte ich mich dafür schämen?
Ich bin von diesem Land ein Kind!
Es tut halt in der Seele weh
wenn ich die alte Heimat seh
die gesund und blühend zurück blieb`
als man uns einst daraus vertrieb!

Ein Land, da könnte ich drauf schwören,
muss die Menschen auch ernähren,
es muss voller Leben sein, voller Saft und Kraft.
Sollt sich das Leben darin lohnen,
dann muss ein Menschenschlag dort wohnen,
der es liebt und etwas schafft!
Darum frage ich mich manchmal eben:
Wer von uns will jetzt dort leben?

Mit Gewalt trieb man uns fort,
nun mög`  ihn Gott behüten,
den wir von Herzen lieben!
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